KURZBIOGRAPHIE

Jacob Strauß

08.01.1866 in Langen – 13.04.1939 durch Suizid in Frankfurt
Wohnadresse: Auf der Körnerwiese 15
Firma: Gummiwerke Odenwald
Verwaltung: Frankfurt Mainzer Landstraße 179-1818
Fabrikation im Odenwald: Mümling-Grumbach/Höchst, später: Sandbach/Neustadt

Ehefrau: Stefanie Strauß, geb. Bachmann
11.07.1884 in Offenbach – Deportation im Mai 1942

Tochter von Jacob Strauß: Nora Rosenthal, geb. Strauß
02.09.1892 in London – 19.08.1981 in London

Ehemann: Dr. Bernhard Rosenthal
08.08.1881 in Wetzlar – 10.11.1938 in Frankfurt durch Suizid
Frauenarzt, Leiter der Gynäkologischen Abteilung und Direktor des Israelitischen Krankenhauses Gagernstraße

Kinder: Mathilde (1922) und Alfred (1926)
Wohn- und Praxisadresse: Bockenheimer Landstraße 70


Quellen

Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden

Institut für Stadtgeschichte Frankfurt

Stolperstein-Initiative Langen

Christine Wittrock: Das Unrecht geht einher mit sicherem Schritt, Hanau 1999, 2017

Traugott Hartmann: 95 Jahre Gummiwerke Odenwald GmbH, Breuberg 2017

Gerhard Grünewald: Zurück auf Anfang , in: Odenwälder Echo vom 10. Oktober

Dokumente zur Geschichte der Frankfurter Juden 1933-1945, Frankfurt 1963
Doris und Walter Ebertz: Die jüdischen Familien in Wetzlar, Wetzlar 2010

www.juedische–pflegegeschichte.de

Abbildungen: HHSTAW, Inge Kirst, Institut für Stadtgeschichte

Text und Recherche: Angelika Rieber

Jacob Strauß

Die Arisierung des Odenwälder Gummiwerks
Jacob Strauß – das tragische Schicksal eines erfolgreichen Unternehmers

Angelika Rieber

Die beiden Gründer des Gummiwerks Odenwald, Jacob Strauß und Jakob Hirschberger und ihre Schicksale, sind weitgehend in Vergessenheit geraten. 1920 gründeten die beiden Unternehmer in Frankfurt die Gummi-Abfall Großhandlung Feist-Strauß und erwarben im Oktober desselben Jahres ein Grundstück in Mümling-Grumbach im Odenwald. Die Verwaltung des Gummiwerks Odenwald, wie es sich nun nannte, war in Frankfurt, die Fabrikation im Odenwald. 1937/38 wurde das erfolgreiche Unternehmen arisiert. Während es Jakob Hirschberger im Januar 1939 gelang, in die USA zu fliehen, verübte Jacob Strauß im April 1939 Suizid.

100 Jahre Gummiwerke Odenwald

Vor 100 Jahren, am 30. Oktober 1920, gründete der aus Langen stammende Unternehmer Jacob Strauß zusammen mit Jakob Hirschberger eine GmbH, die am 17. November 1920 in das Handelsregister eingetragen wurde, die Gummi-Abfall Großhandlung Feist-Strauß in Frankfurt. Zunächst begann der Fabrikbetrieb mit fünf Arbeitern. Die Firma stellte Fahrradreifen und Schläuche, Gummisohlen und Gummiplatten her. Die Zentrale der Odenwälder Gummiwerke war zu Beginn in der Mainzer Landstraße 120 in Frankfurt, später in der Mainzer Landstraße 181.

Im Oktober 1920 kauften die beiden Unternehmer die leerstehenden Gebäude der Klostermühle in Mümling-Grumbach im Odenwald, wo die Fabrikation der Firma bei Höchst im Odenwald ihren Anfang nahm. Der expandierende Betrieb platzte bald aus allen Nähten, weshalb die beiden Unternehmer eine weitere Mühle auf der Sandbacher Gemarkung kauften, die Neustädter Spatmühle. Dort wurden weitere Fabrikhallen erstellt. Zunächst wurde die Produktion auf beide Standorte verteilt, jedoch nach dem Ausbau weiterer Gebäude 1926 ganz nach Neustadt verlegt. Für die Weiterentwicklung der Produktionsverfahren hatte die erfolgreiche Recycling-Firma auch Techniker und Chemiker angestellt. 1937 beschäftigte das erfolgreiche Unternehmen 435 Arbeiter und 32 Angestellte.

Arisierung

Anfangs versuchten Strauß und Hirschberger den Anfeindungen zu widerstehen, wollten sie doch ihr Lebenswerk nicht einfach aufgeben. Zunehmend wuchs jedoch der Druck. Ihnen wurde beispielsweise vom Betriebsrat mit der „kochenden Volksseele“ gedroht. Da sich die beiden Unternehmer sich vor Verleumdungen und Verhaftungen fürchteten, begannen sie ab 1936 ernsthaft über den Verkauf der Firma nachzudenken. Einer der Interessenten war Willi Kaus, der ihnen nicht bekannt war, da er in dieser Branche zuvor nicht tätig gewesen war. Mit Emil Höhne, einem Wirtschaftsführer und Kreiswirtschaftsberater für Hanau, hatte sich Kaus gleich der Unterstützung durch die NSDAP versichert. Intensiv betätigte sich Höhne als Wirtschaftsprüfer. Da sich die Verhandlungen hinzogen, entschlossen sich Strauß und Hirschberger Ende 1937, mit anderen Interessenten Kontakt aufzunehmen. Daraufhin kündigten Kaus und Höhe an, ihnen ein konkretes Angebot vorzulegen. Als die beiden Unternehmer die Vorlage in Augenschein nahmen, war ihnen klar, dass das Angebot unannehmbar war. Gleichzeitig wurden sie jedoch unter massiven Druck gesetzt, beispielsweise mit der Androhung, die mögliche Nichtannahme sei Sabotage. „Diese Drohungen stürzten wie ein Keulenschlag auf uns ein,“ erklärte Hirschberger in seiner Stellungnahme 1948. Unter diesen Bedingungen sahen sie lediglich Spielraum darin, die Verkaufsbedingungen, soweit möglich, noch zu verbessern. Weit unter dem tatsächlichen Wert mussten sie schließlich ihre Firma verkaufen. 2/3 der Summe sollte ihnen sofort, der Rest in vereinbarten Raten gezahlt werden. Weiterhin war Bestandteil des Vertrags, dass die beiden Unternehmer noch bis Ende 1939 ihre Dienste zur Verfügung stellen sollten „zur Einarbeitung des Käufers und zur Überleitung der Geschäfte und geschäftlichen Beziehungen“. Hierfür sollten sie vergütet werden. In Wirklichkeit zahlte Kaus nicht den vollen Kaufbetrag mit der Begründung, es habe Beanstandungen gegeben. Vertragswidrig wurde Jacob Strauß bereits im Juni 1938 entlassen und die Bezüge eingestellt, Jakob Hirschberger war noch bis Ende September beschäftigt. Schließlich sahen sich Strauß und Hirschberger Anfang November 1938 unter der Androhung der Einweisung in ein Konzentrationslager gezwungen, einem Vergleich zuzustimmen.

Wenige Tage später, während des Novemberpogroms, sahen Sie sich weiteren Bedrohungen ausgesetzt – und konnten sich auf die Loyalität ihrer früheren Mitarbeiter verlassen. Aus berechtigter Angst vor der Verhaftung versteckte sich Hirschberger bei dem Chauffeur der Firma, Jacob Strauß verbarg sich, wie ein früherer Mitarbeiter später aussagte, im Hinterhaus des Büros der Gummiwerke Odenwald in der Mainzer Landstraße.

Ende 1938 wurden die beiden früheren Firmeninhaber schließlich genötigt, die Löschungsbewilligung zu unterschreiben, obgleich sich Jakob Hirschberger zu dieser Zeit im Krankenhaus befand.

„Sicherungsanordnung“

Zusätzlich zu den erpresserischen Verkaufsbedingungen sah sich Jacob Strauß noch den Schikanen der Finanzbehörde ausgesetzt. „In welcher Zwangslage wir uns damals befanden, zeigt ein Brief meines Teilhabers Strauß vom 18. Januar 1939 … Trotz der … geschilderten Vorgänge und der durch Höhne für Kaus erfolgten Erpressungen richtete Strauß an Höhne ´nochmals die herzl. Bitte an Sie, mir doch eine Bescheinigung zu schicken`, die dem Finanzamt vorgelegt werden sollte.“

Die oben genannte Bescheinigung brauchte Strauß dringend, da das Finanzamt Steuern für die gesamten im Vertrag vereinbarten Zahlungen verlangte. Jacob Strauß konnte durch die Weigerung von Kaus, die eigenmächtig vorgenommene Preisreduktion und Entlassung zu bestätigen, dem Finanzamt keine Beweise vorlegen.

Über ihr Vermögen konnten die beiden Unternehmer zu dieser Zeit nicht mehr frei verfügen. Sie waren bereits im Juli 1938 durch eine „Sicherungsanordnung“ der Verfügung über ihr Vermögen beraubt worden und sahen sich ständigen Kriminalisierungsversuchen ausgesetzt. „Da der Verdacht der Auswanderung der Juden besteht, ersuche ich … obige Werte… sicherzustellen“, teilte die Zollfahndungsstelle der „Devisenstelle“ mit. (HHStAW) Verzweifelt suchte Jacob Strauß nach Möglichkeiten, die noch offenen Fragen zu klären, um das Land verlassen zu können.

Jakob Hirschberger, rund 20 Jahre jünger als sein Geschäftspartner, verließ Deutschland im Januar 1939, mit 10 Mark in der Tasche. Dies war Jacob Strauß nicht möglich. Am 17. September 1938 waren die Reisepässe von Jacob Strauß und seiner Frau Stefanie aufgrund der ungeregelten Steuerfragen eingezogen worden. Mit immer neuen Nachfragen, Bitten und Erläuterungen versuchte der frühere Unternehmer die noch offenen Fragen zu klären, vergeblich. In seiner Verzweiflung setzte er seinem Leben ein Ende und starb am 13. April 1939 in Frankfurt. Laut Zeugenaussagen hat er sich vor einen Zug geworfen. Die Sterbeurkunde nennt als Todesursache „Schädelbruch“.

„Von der Gestapo abgeschoben“

Seine Frau Stefanie scheiterte ebenfalls an dem Versuch, die ungeregelten Fragen zu klären. Auch die geplante Flucht nach Kuba Ende 1941 gelang ihr nicht mehr.

Stefanie Strauß wurde, so das Finanzamt 1942, „von der Gestapo abgeschoben“. Die frühere Wohnung Auf der Körnerwiese 15 hatte sie vorher schon verlassen müssen und lebte in den letzten Monaten vor ihrer Deportation in der Liebigstraße 27.

Vermutlich wurde sie am 8. Mai 1942 deportiert, denn sie schrieb einer Verwandten am 3. Mai 1942 einen letzten Brief, in dem sie ihre bevorstehende Deportation ankündigte. Fünf Tage nach dieser Mitteilung, am 8. Mai 1942, ging ein Transport in das Ghetto Izbica. Von dort aus wurde Stefanie Strauß vermutlich in ein Vernichtungslager verbracht und ermordet.

Der Tod von Dr. Bernhard Rosenthal erregte überregionales Aufsehen

Jacob Strauß und seine Frau Stefanie waren beide zwei Mal verheiratet und hatten jeweils Kinder aus ihren ersten Ehen, denen es noch gelang, aus Deutschland zu fliehen. Die Tochter von Jacob Strauß, Nora Rosenthal, musste nicht nur den tragischen Tod ihres Vaters erleben, sondern auch den Suizid ihres Mannes. Nora war Klavierlehrerin und mit dem Frauenarzt Dr. Bernhard Rosenthal verheiratet. Der Arzt stammte ursprünglich aus Wetzlar. Nach Studien in Gießen, München und Berlin ließ er sich 1910 als Frauenarzt in Frankfurt nieder und dienste im Ersten Weltkrieg als Stabs- und Batallionsarzt. 1920 heirateten Nora Strauß und Bernhard Rosenthal. Mit ihren beiden Kindern Mathilde und Alfred lebten sie in der Bockenheimer Landstraße 70, wo sich auch die privaten Praxisräume des Frauenarztes befanden. Zudem war Dr. Bernhard Rosenthal Leiter der Gynäkologischen Abteilung und Direktor des Israelitischen Krankenhauses Gagernstraße.

Mehrfach war der bekannte und beliebte Frauenarzt Schikanen ausgesetzt. 1936 gab es eine Anzeige gegen ihn wegen Volksverrats (HHStAW). Ebenfalls wurde ihm „Rassenschande“ unterstellt. (Ebertz: 336) Bereits 1937 wurde “sicherheitshalber“ die Reichsfluchtsteuer eingezogen. Rosenthal hatte wie seine Schwiegereltern um eine Unbedenklichkeitsbescheinigung gebeten, die er für die Ausstellung eines Passes benötigte.

Am 10. November 1938 leistete er am Morgen noch Geburtshilfe, führte eine Operation durch und brachte seine Familie bei Freunden unter. Dann vergiftete er sich. Rettungsversuche durch Auspumpen des Magens konnten sein Leben nicht mehr retten. „Der Direktor des Krankenhauses Gagernstraße, Dr. Rosenthal, hat aus Furcht vor Verhaftung Selbstmord durch Vergiftung begangen“, so ein am 24.11.1938 in Amsterdam verfasster Brief. (Dokumente: 45)

Rosenthals Tod erregte überregional Aufsehen. Die Baseler Nationalzeitung vom 17. November 1938 berichtete über die Suizide von Dr. Bernhard Rosenthal und seines Kollegen Dr. Loewe. (HHStAW)

Nach dem Tod ihres Mannes bereite Nora Rosenthal die Auswanderung vor. Viele Rückfragen der Behörden verzögerten jedoch die für Januar 1939 geplante Emigration. Das Haus, in dem sie wohnte, wurde im März 1939 von der Stadt übernommen und ihr gekündigt. Am 1. April 1939 gelang ihr schließlich die Flucht über die Schweiz und Holland nach Groß-Britannien. (HHStAW)

Rückerstattung

Jakob Hirschberger, der Geschäftspartner von Jacob Strauß, wurde 1887 in Heilbronn geboren. Mit seiner Frau lebte er in der Beethovenstraße 64 in Frankfurt am Main. Hirschberger war für die Fabrikation der Gummiwerke Odenwald in Sandbach verantwortlich, Strauß für die Verwaltung in Frankfurt. Dort arbeitete auch Erich Rosenberg, ein jüngerer Bruder von Lisbeth Hirschberger. 1919 in Dortmund geboren, zwangen Erich die Umstände während der NS-Zeit, statt eines Studiums eine kaufmännische Lehre in der Firma seines Schwagers zu beginnen. Nach der Arisierung des Gummiwerks Odenwald war Erich Rosenberg dort noch bis zum 25. Oktober beschäftigt, bevor es ihm gelang, kurz vor dem Novemberpogrom 1938 in die USA zu fliehen. Einen besonders tragischen Tod fand sein früherer Vermieter in der Schwindtstraße in Frankfurt. Während des Novemberpogroms wurde die frühere Wohnung von Rosenberg durchsucht und demoliert. Sein Vermieter erlag daraufhin einem Herzschlag. Am 11. November 1938 kam Erich Rosenberg in New York an und konnte sich mit Erfolg ein neues Leben aufbauen. Für ihn, der im Alter von 18 Jahre aus Deutschland geflohen war, ging tatsächlich der amerikanische Traum in Erfüllung.

Seiner Schwester Lisbeth und ihrem Mann Jakob Hirschberger gelang es im Januar 1939, aus Deutschland zu fliehen, mit 10 Mark in der Tasche. Ihre Einreisebewilligung für die USA hatten sie zu dieser Zeit noch nicht, weshalb sie zunächst nach London fuhren, wo Jakob Hirschbergers Bruder lebte. Ende Dezember konnten sie dann in die USA weiterwandern.

Ihr Umzugsgut haben sie nie erhalten. Jeder Gegenstand des Reisegepäcks und des Lifts musste in einer „Umzugsgutliste“ verzeichnet sein und wurde anschließend überprüft. Das führte häufig zu lange sich hinziehenden Nachfragen und Verdächtigungen, so auch im Falle der Hirschbergers. Eigentlich sollte das Umzugsgut in die USA nachgeschickt werden, erreichte jedoch nie sein Ziel. Das ganze Hab und Gut wurde 1941 in Hamburg versteigert. (HHStAW)
Unter diesen Bedingungen war der Neuanfang für Jakob Hirschberger sehr schwer, vor allem, da seine Frau Liesbeth früh im März 1945 im Alter von nur 50 Jahren starb.
Zusammen mit seinem Schwager Erich Rosenberg baute Hirschberger unter größten Entbehrungen ein Unternehmen in den USA auf, die Rotex Ruber Company, doch sein Herz schlug weiterhin für das Gummiwerk Odenwald.

Nach dem Ende des Krieges verfügten die Alliierten Vermögenskontrolle über alle vormals in jüdischen Besitz befindlichen Firmen und Liegenschaften. Da der frühere Besitz, wie auch im Fall des Gummiwerks Odenwald, unter Wert verkauft worden war, mussten die neuen Besitzer meist einen Differenzbetrag zum realen Kaufwert nachzahlen. Die früheren Eigentümer konnten aber auch die Rückerstattung erwirken. Jakob Hirschberger entschied sich für die Rückerstattung des von ihm zusammen mit Jacob Strauß aufgebaute Unternehmen in Neustadt und konnte auf die Unterstützung des Direktors Reinhard Althanns aufbauen, den Willy Kaus, der selbst branchenfremd war, nach der Arisierung in dieser Funktion eingesetzt hatte. Althanns war davor bei den benachbarten Veith-Werken beschäftigt.

Hirschberger und Althanns arbeiteten eng zusammen. Nach dessen Tod 1954 entschloss sich jedoch Hirschberger das Unternehmen wieder zu verkaufen, erneut an Willy Kaus, der ihm ein günstiges Angebot unterbreitete.

Willy Kaus, der durch Aufkauf mehrerer vormals in jüdischen Besitz befindlichen Firmen als „Arisierungsprofiteur“ mit mehr als fragwürdigen Methoden gewirkt hatte und zudem eng mit den Nazibehörden verbunden war, galt anfangs in den Entnazifizierungsprozessen als Hauptschuldiger und „Belasteter“, erhielt jedoch in einem denkwürdigen Verfahren schließlich eine Freispruch 1. Klasse und wurde unter der Kategorie „Entlasteter“ eingestuft. Seinen Werdegang hat Christine Wittrock in ihrem Buch: „Das Unrecht geht einher mit sicherem Schritt“ beschrieben.

Erinnerung an die Gründer der Gummiwerke Odenwald

Die beiden Gründer des Gummiwerks Odenwald, Jacob Strauß und Jakob Hirschberger und ihre Schicksale, sind weitgehend in Vergessenheit geraten. Zwar werden sie in dem 2017 von Traugott Hartmann herausgegebenen Buch „95 Jahre Gummiwerke Odenwald GmbH“ erwähnt, jedoch bedürfen einige der Angaben der Richtigstellung.

Der Beginn der Gummiwerke wird darin an den Erwerb der Spatmühle im Ort Sandbach 1922 angebunden, gleichzeitig treten damit Strauß und Hirschberger in den Hintergrund. Das tatsächliche Gründungsdatum des Gummiwerks Odenwald war jedoch zwei Jahre früher, im Oktober 1920. In diesem Monat erwarben die beiden Fabrikanten die Klostermühle in Mümling-Grumbach und gründeten ihr Unternehmen. Im November 1920 wurde die Firma im Handelsregister eingetragen.

Jacob Strauß und Jakob Hirschberger bauten ein erfolgreiches Unternehmen auf, trotz der Weltwirtschaftskrise und der erschwerten Bedingungen während der NS-Zeit. Für den Odenwald war die Firma ein entscheidender Wirtschaftsmotor. Es gibt also viele Gründe, die Leistungen von Strauß und Hirschberger gebührend zu würdigen und damit dem Vergessen entgegenzuwirken. Im Gegensatz zu den beiden in Vergessenheit geratenen Gründern wurde Willy Kaus, dessen Arisierungsmethoden den beiden Unternehmern schwer zusetzten, mit der Ehrenbürgerschaft von Neustadt bedacht.

Ebenfalls bedarf die Angabe der Korrektur, Jacob Strauß sei gleich nach dem Verkauf der Firma in die USA ausgewandert (Hartmann: 21). Demgegenüber fand das Leben von Jacob Strauß im April 1939 in Frankfurt ein tragisches Ende.

Zwei Stolpersteine Auf der Körnerwiese 15 in Frankfurt erinnern seit dem 22. Oktober 2020 an die Schicksale von Jacob und Stefanie Strauß.

Ein im Oktober 2020 veröffentlichter Artikel im Odenwälder Echo unterstreicht die unternehmerischen Leistungen der beiden Firmengründer.