Die Loeb-Sisters

Carol und Susan Loeb

von Marianne Karpf und Angelika Rieber

Wenn der ehemalige Frankfurter Erich Loeb im Jahr 2007 mit seiner Frau, seinen Kindern und allen Enkeln eine Reise nach Deutschland unternimmt, wenn er dabei mit allen seinen Lieben in seinem Geburtshaus in Frankfurt übernachtet, an dessen Stelle mittlerweile ein Hotel steht, wenn er ein Jahr später am Frankfurter Besuchsprogramm teilnimmt und dabei nach 72 Jahren seinen liebsten und immer sehr vermissten Jugendfreund Moppel wiedertrifft, wenn 2012 seine beiden Töchter nicht nur am Frankfurter Besuchsprogramm teilnehmen, sondern es auch intensiv mit Fragen und Ideen vorbereiten, den Kontakt zu Moppels Töchtern aufnehmen und bei ihrer Rückkehr ihre frischen Frankfurter Erfahrungen bei Streuselkuchen nach Großmutters deutschem Rezept mit ihren New Yorker Freunden teilen, dann ist eine tiefe Heimatverbundenheit im Spiel, so wie sie der Frankfurter Poet Friedrich Stoltze 1880 in seiner witzig-ironisch-romantischen Frankfurthymne zum Ausdruck bringt.

Es is kaa Stadt uff der weite Welt,
die so merr wie mei Frankfort gefällt,
un es will merr net in mein Kopp enei:
wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!

Carol und Susan sind die Töchter von Eric Loeb. Eric Loeb wurde am 12. Mai 1928 als Erich Loeb in Frankfurt am Main geboren. Die Familie wohnte in der Beethovenstraße im Westend. Eric besuchte die Varrentrappschule in der Bismarck-Allee, der heutigen Theodor-Heuss-Allee, bis ihm 1935 der Schulbesuch als jüdischer Junge dort verwehrt wurde. So wechselte er auf eine jüdische Schule.

Im Sommer 1935 machten Karl, Henny, Walter und Erich Loeb “Urlaub” in Mailand. Dort mieteten Karl und Henny Loeb eine Wohnung und schickten die beiden Söhne, die nichts von den Plänen der Eltern wussten, in ein italienisches Ferienlager. Karl Loeb prüfte in der Zwischenzeit Möglichkeiten, sich in Italien niederzulassen, und gründete eine Firma mit dem Namen Societa Italiana Bottini e Affini.
1936 verließ die Familie endgültig Deutschland. Erichs Großvater, Max Cohn, blieb in Frankfurt. Trennen musste der Junge sich auch von seinem besten Freund Moppel, Arnulf Borsche, einem nichtjüdischen Jungen aus der Nachbarschaft. Die Loeb-Familie zog nach Mailand, mit allen Möbeln und sogar einem Klavier. 1939 waren sie aufgrund eines neuen antijüdischen Gesetzes, das für Juden galt, die nach 1922 eingewandert waren, gezwungen, das Land wieder zu verlassen. Ihre nächste Station war Kuba, in der Hoffnung, von dort in die nahe USA einreisen zu können, was ihnen auch gelang.

Das Ziel war New York, nach Erich Loebs Worten, die Stadt der großen Freiheit. Dort wurden 1966 und 1969 seine beiden Töchter Carol und Susan geboren.
2007 unternahmen Erich Loeb und seine Frau Jean mit ihren Töchtern, den Schwiegersöhnen und den Enkelkindern eine Reise durch Deutschland. Sie besuchten Obermorschel in der Pfalz, den Ort seiner Vorfahren, und übernachteten in Frankfurt in einem Hotel, das heute an der Stelle des früheren Wohnhauses der Familie Loeb in der Beethovenstraße 30 steht.

2008 war Eric Loeb Gast im Besuchsprogramm der Stadt Frankfurt und konnte durch Vermittlung der Projektgruppe nach 72 Jahren seinen Jugendfreund Moppel wiedersehen. Die beiden hatten sich sofort gut verstanden und wurden schnell Freunde. Die beiden Männer sprachen und korrespondierten in Englisch und in Deutsch und Erich bekam so die Gelegenheit, die Sprache seiner Jugend wieder zu sprechen.

Zur Vorbereitung des Besuchs der Loeb Sisters Susan und Carol 2012 gab es einen regen Austausch per E-Mail, in dem Carol einmal formulierte, dass sie die Aussicht auf einen Vortrag vor einer Schulklasse in Frankfurt als das Highlight der Reise empfinden würde. Da wusste sie noch nicht, dass es noch andere Höhepunkte für sie geben würde. Die Schwestern bereiteten den Schulbesuch intensiv vor, indem sie vor Reisebeginn mit ihrem Vater und ihrem Onkel sprachen und eine PowerPoint-Präsentation mit Fotos erstellten. Überschrieben mit „Another Quick Question“ kamen viele Ideen zur Sprache: Carol hatte in einer jüdischen Zeitung gelesen, dass Peter Feldmann der erste jüdische Frankfurter Oberbürgermeister der Nachkriegsgeschichte sei. Sie wollten wissen, ob sie ihn treffen könnten. Oder die Frage, ob das Kochbuch und das Tagebuch ihrer Großmutter ins Englische übersetzt werden könnte.

Carols Reise erhielt eine unerwartete Wendung, da sie auf dem Flug eine Thrombose bekam. Sie wurde sofort ins Krankhaus gebracht und dort bestens versorgt. Drei Tage lang musste sie im Krankenhaus bleiben. Die Ärzte, Krankenschwestern und sogar eine “Grüne Dame”, die dort ehrenamtlich Patienten betreute, fragten sie, aus welchem Grund sie zu Besuch in Deutschland war. Carol erklärte ihnen das Besuchsprogramm und hatte auf diese Weise die Gelegenheit, unzählige Male die Geschichte ihrer Familie zu erzählen. Dankbar war sie für die hervorragende medizinische Versorgung, die sie in dem Krankenhaus erfahren hatte. Zurück in der Gruppe der Besucher wurde sie dort mit viel Wärme, Umarmungen und Humor empfangen.

Der Schulbesuch in der Ernst-Reuter-Schule 1 wurde tatsächlich zu einem Highlight. Susan erzählte die Geschichte ihres Vaters, und daran schloss sich eine lebhafte Diskussion mit den Schülerinnen und Schülern an: über jüdische Identität, über die Erfahrung von Antisemitismus, über die politische Situation im Nahen Osten und das Schicksal von Verfolgung und Emigration, das auch einige der Schülerinnen und Schüler oder zumindest deren Eltern teilen.
Ein weiterer Höhepunkt der Reise war, so sagten Susan und Carol, die Begegnung mit den beiden Söhnen und der Tochter von Arnulf Borsche. Der Kontakt, den ihr Vater 2008 mit seinem Jugendfreund „Moppel“ erneuert hatte, wurde in der nächsten Generation weitergestrickt. Die Kinder von Eric Loeb und von Arnulf Borsche verbrachten einen vergnüglichen Nachmittag und Abend miteinander und stehen seither miteinander in Verbindung.

Weniger ein Höhepunkt, weil es in Strömen regnete, war ein Spaziergang durch den Palmengarten und das südliche Westend auf den Spuren ihres Vaters.
Der Spaziergang endete vor dem Altbau der Dechema, der Gesellschaft für Chemische Technik und Biotechnologie, um dort den Auftrag ihres Vaters zu erfüllen, Bilder seiner Schule mitzubringen. Bis zu der Schließung während des Krieges beherbergte das Gebäude die Varrentrappschule. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde es dann von der Dechema genutzt.

Rückblick von Susan und Carol Loeb auf den Besuch in Frankfurt

Für Carol und Susan hatte diese Spurensuche große Bedeutung:
“I am proud to say that I am a descendant of a German Jew from Frankfurt.” “I feel it is my duty to retell the story of my father's life and examining the Holocaust. By telling the story I hope we can teach tolerance and acceptance of all people. This trip gave me the opportunity to learn about my roots and myself.”

“I really appreciated the opportunity to join you in Frankfurt. I am extremely grateful that I was able to participate in at least part of the trip, and consider it one of the highlights of my life.
As I explain your organization to my friends and family, I describe you as taking the role of our “Frankfurt guides”. You provided us with such a detailed history and knowledge, a history that was far more extensive than what my parents could provide. In such a short time I learned so much about myself and my German roots. I enjoyed meeting the other participants. I found it very interesting that my upbringing was very similar to the rest of the group. Our parents sang to us the same German songs, read us the same stories and we ate the same foods. It became very clear that my upbringing was very German although I was raised in New Jersey. I felt a very strong connection to the other participants. I will never forget the warmth and kindness I received from this group when I arrived after being in the hospital. It was as if I had known them my whole life. I felt a strong connection to the other participants. I found it very interesting that I was raised so similarly to the people in the group. I am proud to say: ´My father was from Frankfurt`. The trip made it clear how German my upbringing was. By the end of the trip the group became like a family.
Wherever I go, I tell my father’s story. I know that it is my responsibility to tell my father’s story and make sure that the people of the Holocaust are never forgotten. One day I hope to have the experience of telling my father’s story to a bunch of German children. Coincidently, the local school will participate in Facing History program. Maybe I will have the opportunity to talk to the children in my town.
I would love to continue working with you, to help educate about this horrible time in history.
Thank you for all your hard work and your dedication. Thank you for giving me the opportunity to be part of the program!
Carol Loeb”

“This trip demonstrated to me that in Frankfurt there is a major emphasis on acceptance and tolerance. While we cannot forget history, it is important to move on in a way that allows for all people to live together in harmony. One of the most meaningful parts of the trip was speaking to the children in the Ernst Reuter-Schule. After sharing my family`s experience, some of the students shared theirs. One girl from Turkey spoke about her own family`s religious persecution for the first time. It was a very emotional encounter. I have kept in touch with this student and plan to continue to stay in contact with her.

We also enjoyed exploring our father`s former neighbourhood in the Westend and seeing some of the places where he spent his time. We took pictures in the Palmengarten similar to the picture we have of my father as a child in the same place. We really enjoyed meeting the children of my father`s childhood friend, Arnulf (Moppel) Borsche. Through this program four years ago, my father was reunited with his friend after 72 years.

We really appreciate having had this wonderful opportunity. We feel that we are able to be ambassadors for the city of Frankfurt and Germany – so that more people want to visit.

Susan Loeb”

Die Mitglieder der Familie Loeb haben in der Zwischenzeit Erkundigungen eingezogen, um neben der amerikanischen auch die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen.

Botschafter der Stadt Frankfurt

Von Angelika Rieber

Der Besuch in Frankfurt klingt noch lange nach

Für Carol und Susan klingt der Besuch in Frankfurt, der Stadt, aus der ihr Vater stammt, noch auf vielfältige Weise nach. Noch waren die Eindrücke frisch, als die beiden Schwestern rückmeldeten, was der Besuch in Frankfurt für sie bedeutet hatte.

Der Besuch in Frankfurt hat in den beiden Schwestern das Gefühl bestärkt, mit der Stadt, aus der ihr Vater stammt, verbunden zu sein. Der Palmengarten, das Westend, das Haus, in dem ihr Vater und der Onkel gelebt haben, mit all diesen Orten verknüpfen Carol und Susan Loeb Erzählungen, Fotos und eigene Eindrücke von dem gemeinsamen Besuch mit den Eltern wenige Jahre zuvor.

2012 kamen die beiden Schwestern ohne die Eltern. Gerne nahmen sie das Angebot der Projektgruppe „Jüdisches Leben in Frankfurt“ an, sie während des Aufenthaltes in Frankfurt zu begleiten. Eine ganz zentrale Rolle spielte die Begegnung mit den Kindern von Moppel, dem Jugendfreund des Vaters. Vor seinem Besuch 2008 hatte Eric Loeb gefragt, ob die Projektgruppe dabei helfen könne, seinen alten Freund ausfindig zu machen. Die Suche war erfolgreich, und so konnten sich die beiden Männer 70 Jahre später wiederfinden.
Arnulf Borsche und nach dessen Tod nun die Kinder sind für Carol und Susan Loeb die Brücke zur alten Heimat des Vaters. Das Treffen mit Moppels Kindern in Frankfurt lag den beiden Schwestern besonders am Herzen und sie sprudeln, wenn sie von der Begegnung mit ihnen sprechen.
Auch der Kontakt zu den anderen Besuchern und der Austausch mit ihnen hatten für die beiden Geschwister eine wichtige Funktion. Besonders erinnern sie sich an die beiden Gesprächsrunden am Anfang und am Ende des Besuchsprogramms, in denen die Teilnehmer des Besuchsprogramms ihre Geschichten und Eindrücke mit den anderen Besuchern austauschen und teilen konnten. So war es ihnen möglich, ihre Erfahrungen mit denen der anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu vergleichen. Dabei konnten sie viele Ähnlichkeiten feststellen, beispielsweise, wie stark sie von der deutschen Herkunft der Eltern geprägt waren, seien es Rezepte von Eltern oder Großeltern, Kinderlieder oder der “Struwwelpeter”.

Anknüpfungspunkte

Carol und Susan Loeb sind zu Hause nicht einfach wieder zur Tagesordnung übergegangen. Sie tauschen sich mit Freunden aus, erzählen von Deutschland und werben dafür, die Einladung der Stadt Frankfurt anzunehmen. Mit Erfolg! Es zeigt sich, dass der Besuch in Frankfurt auch Wirkung auf das Umfeld der Schwestern hat, auf die Familie, den Freundeskreis, die Schule und ihre jüdischen Gemeinden.

Zwar finden die beiden Schwestern viele offene Ohren, aber sie treffen auch auf Skepsis, Zurückhaltung, sogar Ablehnung von Menschen, die eine solche Einladung nie annehmen oder nie nach Deutschland zurückkehren würden. Es war sehr irritierend für sie, dass ihre Gemeinden sie nicht danach fragten, über ihre Erfahrungen in Deutschland zu berichten. Ihr Bemühen hat nun Früchte getragen. Anlässlich des Yom HaShoa, des jüdischen Gedenktages für die Opfer des Holocaust, hat Eric Loeb über die Erinnerungen an seine frühere Heimat und die NS-Zeit gesprochen, ebenso wie über seine Besuche in Deutschland. Auch Carol Loeb berichtete bei dieser Gelegenheit über ihre Eindrücke während der Deutschlandreise. Die 40 Zuhörenden zwischen 10 und 80 Jahren waren vor allem beeindruckt von der ermutigenden Schlussfolgerung. Die Präsentation von Vater und Tochter endete mit der Geschichte von Moppel, dem Wiedersehen von Eric Loeb mit seinem Jugendfreund aus Frankfurt und dem Gegenbesuch der Kinder von Arnulf Borsche in New York im März 2013 anlässlich der Bar-Mizwa von Carols Sohn Noah.

Wichtig ist für Carol, dass ihre Kinder in der Schule in angemessener Weise über den Holocaust unterrichtet werden. Sie stellte Kontakte her zu “Facing History and Ourselves”, einer amerikanischen Organisation, die Unterrichtsmaterial und Konzepte für die Erziehung zu Toleranz und zur Bekämpfung von Vorurteilen entwickelt.
Susan und Carol Loeb interessieren sich nicht nur für ihre eigene Vergangenheit. Neugierig nahmen sie beispielsweise die Vielfalt unterschiedlicher Kulturen in der Mainmetropole wahr. Das Gespräch in der Ernst-Reuter-Schule 1 war für Susan ein Highlight ihres Besuches in Frankfurt. Nach dem Gespräch korrespondierte sie mit einer der Schülerinnen. Meltem bedankte sich bei Susan für den Besuch in der Schule:

„Dear Susan,
I would like to take this opportunity to thank you for coming to our school to talk to us about your family experience during the horrible Nazi regime. I think this takes a lot of strength to discuss that terrible past. This is why I admire you so much. Sixty-seven years after the end of the Second World War and the Holocaust we should be in memory of the victims and procure that it will never happen again. Finally, we now come to peace and live together with Christians, Muslims, Atheists and other ethnic groups in harmony. I can feel clearly with you. My family fled from Turkey because they were also discriminated against because of religious reasons. Everyone should be aware of the history so that it will never happen again. It gives me pleasure to know that there is someone trying to reach the youth. Once again I want to thank you for all. I hope you can remember me. I am the girl who cried.:-)
Best wishes
Meltem“

Susan konnte sich noch sehr gut an die Begegnung mit der Schülerin erinnern. Für sie waren die Fragen und Reaktionen der Schülerinnen und Schüler während des Gesprächs in der ERS1 von großer Bedeutung. Dass gerade Meltem sich durch ihre Schilderungen aufgefordert fühlte, über ihre eigenen Erfahrungen zu berichten, hat Susan Loeb nachhaltig beeindruckt.
„Of course I remember you. I have shared with many people my experience in your school and your family‘s sad story. Our discussion was very meaningful for me. I am glad you felt comfortable enough to share your very personal story. As painful as it is, it sometimes helps to talk about it. You are very lucky to attend a school with students of such diverse backgrounds and teachers who are open-minded and willing to explore differences. By educating students with programs such as the one you have in your school, I hope that there is more acceptance of different cultures. We should not have to worry about talking about our history. As you mentioned, we should do it more often so that the past is never forgotten and never repeated.”

In einer weiteren Mail berichtet Meltem von einem Besuch in Buchenwald. Ihr sei dort zu Bewusstsein gekommen, dass Buchenwald nicht nur die Verbrechen an Juden verdeutliche, sondern zeige, was Menschen anderen Menschen antun können.

„As you said, I am very lucky to attend a school like this. It is really a pleasure to be accepted no matter where you are from. Also, that we got the chance to meet people like you is of great value for us.
Last week my classmates and me visited Buchenwald. I can‘t even describe what I saw there. To think that people had to endure all these things and some even managed to survive this – there is no way to put this into words.
And also to think how people are able to do such things…
It is not about Nazis killing Jews, it is about people killing other people; aren‘t we supposed to live as brothers?
I really hope that the history will never get lost and that we always will be aware of this terrible history of cruelty.
Let‘s keep in touch
Best wishes
Meltem“

Ingrid Bruch, Lehrerin von Meltem, zieht ebenfalls eine positive Bilanz nach den Begegnungen mit den Kindern
ehemaliger Frankfurterinnen und Frankfurter. Auch die zweite Generation habe eine Menge zu erzählen. Interessant war für sie, dass die beiden Gesprächspartnerinnen nicht als direkt Betroffene des Holocaust sprachen, sondern auf dem Hintergrund ihrer Kenntnisse der historischen Abläufe. „Mehr Distanz zu den zurückliegenden Ereignissen hat durchaus Vorteile“, so ihr Fazit.

„Ich backe einen Streuselkuchen“ – Gegenbesuch in New York

Während einer USA-Reise im Juli/August 2012 nutzte ich die Gelegenheit, die beiden Schwestern in New York zu besuchen.
„Ich backe einen Streuselkuchen“, kündigte Carol an. Sie kocht gerne, vor allem alte Familienrezepte. Carol hatte nicht zu viel versprochen. Stolz zeigt sie den Streuselkuchen, den sie gebacken hatte, nach dem Rezept ihrer Großmutter, und den gusseisernen Topf, der schon eine lange Geschichte hinter sich hat.
Eine große Runde versammelte sich am Freitagabend in Carols Haus: die Eltern, die Schwestern, Freunde, Cousinen. Nicht ungewöhnlich, liebt es Carol doch, den Sabbat gemeinsam mit Gleichgesinnten zu verbringen. Dreh- und Angelpunkte dieses Abends waren die Besuche in Deutschland, die bereits erfolgten und die geplanten.
Auch Inge und Charles Roman waren eingeladen. Sie waren 2011 in Frankfurt und haben, so wie Susan Loeb, in der Ernst-Reuter-Schule gesprochen. Inge und Charles Roman wohnen in New Jersey, nahe Eric und Jean Loeb, kannten sich jedoch bislang nicht. Erfahrungen und Eindrücke wurden ausgetauscht, neugierige Fragen gestellt, vor allem von John Froelich, der sich inzwischen ebenfalls um eine Einladung bemüht hat. Alben wurden gewälzt, Fotos am Bildschirm betrachtet, alte Bilder von Frankfurt und von den Besuchen in Frankfurt in den letzten Jahren.

Carol ist eine begnadete Netzwerkerin. Nicht nur an dem Sabbat-Abend im August 2012 bringt sie Menschen zusammen, die etwas miteinander austauschen und teilen können. Aktiv interessiert und engagiert sie sich, wie ihre Schwester Susan, in der Schule ihrer Kinder für das friedliche Zusammenleben unterschiedlicher Religionen und Kulturen.

Erschrocken ist sie von einem Vorfall in ihrer Stadt. Im Januar 2013 wurden die Scheiben in der Schule eingeworfen und Hakenkreuze geschmiert. Zwar geht man eher davon aus, dass es sich um Kindereien handelt. Dennoch gibt es Überlegungen, wie man mit diesem Vorfall angemessen umgehen sollte. Carol und andere Mitstreiterinnen bemühen sich darum, dass die Schule der Erziehung zur Toleranz zukünftig größeres Gewicht beimisst. Sie haben vor, mit einer Delegation engagierter Eltern die Schulbehörde aufzusuchen und ihr die Bedeutung einer solchen Erziehung zu mehr Toleranz nahezubringen.

KURZBIOGRAPHIE

Name:
Carol Loeb-Meyers und Susan Loeb-Zeitlin

Carol und Susan nehmen 2012 am Besuchsprogramm der Stadt Frankfurt teil

geboren:
1966 und 1969 in New York

Vater:
Eric Loeb, geboren: als Erich Loeb 1928 in Frankfurt

Wohnadresse vor der Emigration:
Beethovenstraße im Frankfurter Westend

Schule:
Varrentrappschule

Emigration:
- 1935 nach Mailand
- 1938 nach Kuba
- danach in die USA

2007 Eric Loeb reist mit seiner gesamten Familie nach Deutschland

2008 nimmt Eric Loeb am Besuchsprogramm der Stadt Frankfurt teil


Quellen:

  • Korrespondenz Angelika Rieber mit Carol und Susan Loeb
  • Korrespondenz zwischen Susan Loeb und Meltem im Juli 2012
  • Gespräche während des Besuchs von Angelika Rieber in den USA im August 2012

Fotos: Familie Loeb und Angelika Rieber, Filmaufnahme vom Gespräch in der Ernst-Reuter-Schule

Texte: Marianne Karpf und Angelika Rieber