KURZBIOGRAPHIE

Name:
Ernst Ritter von Marx, geb. 12.3.1869 in Wien, Christ jüdischer Herkunft

  • Bürgermeister und Oberbürgermeister von Bad Homburg, Landrat des Obertaunuskreises (1904-1921)
  • Wohnadressen: Bad Homburg: Kaiser-Friedrich-Promenade, Frankfurt: Zeppelinallee
  • 1935 Emigration nach England
  • 1944 stirbt Ernst Ritter von Marx im englischen Exil
  • 1955 wird die Schlossbrücke in Bad Homburg, zu deren Bau er maßgeblich beigetragen hatte, nach Ritter von Marx benannt


Quellen:

  • Grosche, Heinz (1991): Geschichte der Juden in Bad Homburg vor der Höhe,
  • (1993): Geschichte der Stadt Bad Homburg, Band IV, Verlag Waldemar Kramer: Frankfurt
  • Walsh, Gerta: Große Nehmen in Bad Homburg. Ein Gang durch die Straßen der Kurstadt, Sozietätsverlag: Frankfurt
  • 100 Jahre „Auf zum Taunus!“ Frische Luft nicht nur für reiche Frankfurter, FAZ vom 7.1.2008
  • Ein trauriges Kapitel, TZ vom 18.6.2014
  • Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden
  • Stadtarchiv Bad Homburg
  • Stadtarchiv Oberursel

Text:
Angelika Rieber

Ernst Ritter von Marx

„Die Namen der Groß­eltern deuten eindeutig auf Juden hin“

von Angelika Rieber

Vom Kaiser zum Landrat bestimmt

Ernst Ritter von Marx, geboren am 12. März 1869 in Wien, ist als Landrat des Obertaunuskreises bekannt. Nach ihm ist eine Brücke in der Kreisstadt benannt, die als erster Flyover in Deutschland gilt.

Von Marx wuchs in Frankfurt am Main auf, wo er eine humanistische Ausbildung erhielt.
Die Eltern waren mit der Taufe des Sohnes zum evangelischen Glauben konvertiert. Nach dem Jurastudium und der Promotion in Genf, Leipzig und Berlin trat von Marx 1897 als Assessor in den preußischen Staatsdienst beim Landratsamt des Obertaunuskreises in Homburg vor der Höhe. Schon 1901 wurde er zum Bürgermeister der Kreisstadt gewählt und führte ab 1902 den Titel Oberbürgermeister.

Auf Wunsch von Kaiser Wilhelm II., der sich regelmäßig mehrere Wochen im Jahr im Kurbad Bad Homburg aufhielt, wurde Ernst Ritter von Marx 1904 zum Landrat des Obertaunuskreises berufen. Dieses Amt bekleidete Ernst Ritter von Marx bis zum Jahre 1921.

Mit seiner Frau, die ebenfalls aus einer jüdischen Familie stammte, und den Kindern wohnte er in der Kaiser-Friedrich-Promenade 111a. Die Familie gehörte der evangelisch-reformierten Kirche an.

„Auf zum Taunus“

Ernst Ritter von Marx leistete wertvolle Arbeit als Kommunalpolitiker und Verwaltungsbeamter bei der baulichen und wirtschaftlichen Entwicklung des Kurbades Homburg und des Obertaunuskreises am Rande des Rhein-Main-Gebiets. Als Motor der „Unternehmung zur Hebung des Verkehrs und Förderung und Besiedlung im südlichen Taunus“ warb er nicht nur für den Fremdenverkehr, sondern auch für die Ansiedlung finanzkräftiger Kreise am Taunusrand. Die Werbeschrift „Auf zum Taunus“ wurde mit großem Aufwand in einer Auflage von 5000 Exemplaren gedruckt.

Aufsehen erregte die Leidenschaft von Ernst Ritter von Marx für schnelles Fahren. 1906 geriet er bei Kehl in eine „Radarfalle“ von Polizeibeamten. Ihm wurde angelastet, mit 20 Stundenkilometern durch Kehl gerast zu sein. Erlaubt waren 12 Kilometer. Da man von ihm als Amtsträger die besondere Beachtung von Gesetzen und Verordnungen erwartete, wurde er zu einer für damalige Verhältnisse empfindlichen Strafe von 50 Mark verurteilt.

1921 wurde von Marx auf eigenen Wunsch in den Ruhestand versetzt. Die Wirren der Kriegs- und Nachkriegsjahre hatten ihn wohl amtsmüde gemacht. Er zog nach einem Zwischenaufenthalt in der Schweiz nach Frankfurt, wo er in der Zeppelinallee lebte.

„Wegen Dringlichkeit wird um beschleunigte Erledigung gebeten“

Aufgrund seiner jüdischen Herkunft sah sich der frühere Landrat 1935, zwei Jahre nach dem Machtantritt der Nationalsozialisten, zur Emigration nach England gezwungen. Ein Jahr später, am 1. Mai 1936, wurde die 1905 mit seiner Initiative eingeweihte Brücke, die damals nach Georg Speyer benannt worden war, in Schlossbrücke umbenannt, da Speyer aus einer jüdischen Familie stammte. 1941 musste von Marx noch die Einstellung seiner Versorgungsbezüge hinnehmen.

Aus Archivunterlagen geht hervor, dass die Gestapo 1943 Ermittlungen anstellte, ob der frühere Landrat denn „Rassejude im Sinne der Ersten Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 14.11.1935, mit vier der Rasse nach volljüdischen Großelternteilen“ sei. Das Gausippenamt hatte nachgefragt, da die Namen der Großeltern von Heinrich Ernst August Ritter von Marx eindeutig auf Juden hindeuteten.

„Wegen Dringlichkeit wird um beschleunigte Erledigung gebeten.“ Minutiös listet der eilig erstellte Stammbaum die jüdische Herkunft des früheren Landrats auf.
Ernst Ritter von Marx starb am 1. Juni 1944 im englischen Exil, einen Tag vor seiner Goldenen Hochzeit.

Erinnerung an den legendären Landrat: Ritter-von-Marx-Brücke in Bad Homburg

Seine Witwe, Nelly von Marx, kehrte mehrfach nach Deutschland zurück. Zusammen mit einem Enkel nahm sie auf Einladung des Oberbürgermeisters Karl Horn an der Umbenennung des Flyovers in Ritter-von-Marx-Brücke teil. Am 16.11.1957 starb die Witwe des früheren Landrats.