Charles Scheidt

 

Familie Scheidt und Familie Ballin

 

Von Feli Gürsching und Christa Fischer

Charles Scheidt wird 1943 in New York geboren. Seine Eltern, Susanne Ballin und Bruno Scheidt sind 1933 aus Frankfurt emigriert, zuerst nach Paris (Frankreich), 1939 dann nach New York (USA). Die beiden heiraten im Januar 1936 in Paris.

 

Charles’ Mutter – Susanne Ballin

Susanne Ballins Eltern, Margarethe Groebel aus Heidelberg und Georg Ballin aus Nordhausen, leben in Frankfurt und betreiben die Firma J. Reihing-Schreiber für Kleider- und Damenhütefabrikation, zuerst in der Weissfrauenstrasse, später im eigenen Geschäftshaus in der Hohenzollernstrasse am Hauptbahnhof. Susanne Ballin wächst in Sachsenhausen auf und besucht dort die Schillerschule, wie auch ihre älteren Schwestern Ella und Lieselotte (Elisabeth). Später zieht die Familie in die Schumannstr. 10. Susanne beendet ihre Schulzeit in der Victoria-Schule (heute Bettinaschule) und in der Privatschule Steimer.

 

Charles’ Vater – Bruno Scheidt

Bruno Scheidt wird 1900 in Frankfurt am Main geboren. Väterlicherseits stammt die Familie aus dem Main-Fränkischen: Brunos Vater Karl Scheidt wird 1867 in Würzburg geboren, sein Vater Simon, aus Mainstockheim stammend, betreibt in Würzburg einen Weinhandel. Die Familie der Mutter Flora Scheidt, geb. Lehrberger, stammt aus Borken bei Homberg. Flora und Karl Scheidt heiraten 1895 in Frankfurt am Main. Die erste Adresse der jungen Familie ist Zeil 24. Hier werden die Söhne Siegfried Max und Bruno geboren. Sie besuchen die Samson Rafael Hirsch-Schule und treffen hier auf die Mitschüler Paul Arnsberg und Samson Schames. Die Familie Scheidt ist Mitglied der Synagogengemeinde der Israelitichen Religionsgesellschaft.

 

Flucht aus Frankfurt

Als junger Mann gründet Bruno Scheidt 1925 eine Firma für Lebensmittel-Grosshandel, die zuletzt in der Hanauer Landstraße ansässig war. 1933 muss er bei seiner Flucht aus seiner Heimatstadt die Firma zurücklassen und gründet sie in Paris unter dem Namen „Etablissment Roland“ neu.
1939 in New York gründet er die Firma erneut, diesmal unter dem Namen „American Roland Food“.

Von New York aus versucht Bruno Scheidt, seine eigene verzweigte Familie und die Familie seiner Frau aus Deutschland, dem besetzten Frankreich und aus Holland zu retten. Dies ist ihm fast vollständig gelungen. Sein Onkel Emil Lehrberger und dessen Frau Lina, geb.Michel allerdings werden 1942 von Frankfurt aus nach Theresienstadt deportiert; auch seine Schwägerin Elisabeth Charlotte Lissaur, geb. Ballin, und seine Nichte Englina „Puppi“ Lissaur wurden 1944 aus Amsterdam deportiert.

Charles Scheidt, der in New York bis 2013 die Firma seines Vaters erfolgreich weitergeführt hat, ist heute damit beschäftigt, die Familiengeschichte zu schreiben. Er kann sich auf viele in der Familie erhaltene Dokumente stützen. Er ist Mitglied der „Bibliothek der Alten“ im Historischen Museum Frankfurt.

 

KURZBIOGRAPHIE

 

Charles Scheidt

Teilnahme am Besuchsprogramm: 2016

Charles Scheidt ist 1943 in New York geboren. Bis 2013 führte er in New York erfolgreich die von
seinem Vater aufgebaute Firma „Roland Food” und beschäftigt sich jetzt mit der Erforschung seiner Familiengeschichte.

Eltern:

  • Bruno Scheidt, geb. 1900 in Frankfurt am Main, besuchte die Samson-Raphael-Hirsch-Schule, Lebensmittelgroßhändler, Geschäft zuletzt in der Hanauer Landstraße
  • Susanne Scheidt, geb. Ballin, geb. 1910 in Frankfurt am Main, in Sachsenhausen aufgewachsen, besuchte die Schillerschule und die Victoria-Schule

Wohnadressen in Frankfurt:

  • Vater – zuletzt in der Rhönstraße 125
  • Mutter – zuletzt in der Schumannstr. 10

Emigration:

  • Bruno Scheidt flüchtete 1933 über die Schweiz nach Paris und 1939 in die USA
  • Susanne Scheidt, geb. Ballin, flüchtete 1935 nach Paris und 1939 in die USA


Quellen:

  • Fragebogen und Informationen von Charles Scheidt
  • „Bibliothek der Alten“ im Historischen Museum Frankfurt

Fotos und Dokumente:
Privatarchiv Charles Scheidt

Text und Recherchen:
Feli Gürsching, Christa Fischer