Kurzbiographie

Name:
Josef Schwarzschild, geb. 1908 in Oberursel

  • Sohn von Abraham Schwarzschild und seiner Frau Amalia, geb. Grünebaum
  • Schulbesuch in Steinbach
  • 1931 Heirat einer nichtjüdischen Klassenkameradin
  • Angestellter bei der Deutschen Reichsbahn, arbeitslos 1932-1939
  • 1943 Vorladung zur Gestapo, Gefängnishaft in Offenbach und Darmstadt, „Arbeitserziehungslager“ Frankfurt-Heddernheim
  • 03.09.1943 Deportation nach Auschwitz
  • Todesdatum: 10.12.1943

Quellen:

  • Hessisches Hauptstaatsarchiv Wiesbaden
  • Stadtarchiv Oberursel
  • Gespräche mit Zeitzeugen
  • Private Dokumente und Fotos
  • Hundt, M.: Querbeet 1. Ein Lesebuch nicht nur für echte Oberurseler, Steinbach 2002

  • Rieber, A. (2004): Wir bleiben hier. Lebenswege Oberurseler Familien jüdischer Herkunft, Kramer-Verlag: Frankfurt
  • Vorläufer-Germer, B.: Josef Schwarzschild aus Steinbach, das AEL Heddernheim, sein Arbeitskommando Köppern und die „Aktion Brandt“; in: Chronik des * Waldkrankenhauses Köppern

Abbildungen:

  • Josef Schwarzschild, Quelle: privat
  • Josef Schwarzschild (rechts) mit Nachbarn in der Schwanengasse in Steinbach, Quelle: privat
  • Mitgliedsausweis von der Steinbacher Feuerwehr, Quelle: privat
  • Gedenktafel am früheren Wohnhaus von Josef Schwarzschild in der Schwanengasse in Steinbach, Quelle: Angelika Rieber

Text und Recherchen:
Angelika Rieber

Josef Schwarzschild

„… durch Mörderhand umgebracht“

von Angelika Rieber

„Seppl“ war für seine große Hilfsbereitschaft bekannt

Josef Schwarzschild wurde am 21.11.1908 in Oberursel-Bommersheim als Sohn von Abraham Schwarzschild und Amalie, geb. Grünebaum, geboren. Abraham Schwarzschild war 1875 nach Steinbach gekommen. Er wurde Bahnwärter der preußischen Eisenbahngesellschaft und bezog mit seiner Familie das Bahnwärterhäuschen. Ab 1915 besuchte sein Sohn Josef die Schule in Steinbach und absolvierte anschließend eine Lehre als Maurer. Josef Schwarzschild wurde Gewerkschaftsmitglied, war ab 1923 aktives Mitglied des Fußballclubs Germania und bis zu seinem Ausschluss 1935 Wasserfahrer bei der Feuerwehr mit der Mitgliedsnummer 145.

1931 heiratet Josef Schwarzschild seine Schulfreundin Anna Maria Seitz und zog zu ihr in die Schwanengasse. Seine Ehefrau war nichtjüdisch. Trauzeugen waren die beiden Väter. Nach Definition der Nationalsozialisten war dies eine „Mischehe“. Abraham starb 1935 und ist auf dem jüdischen Friedhof in Oberursel beerdigt. „Seppel“, wie Josef Schwarzschild von seinen Schulfreunden genannt wurde, war in Steinbach für seine große Hilfsbereitschaft bekannt.

Er arbeitete bis 1932 bei der Deutschen Reichsbahn. Nach Angaben seiner Ehefrau wurde er infolge der Weltwirtschaftskrise wegen „Arbeitsmangels“ entlassen und später aufgrund seiner jüdischen Abstammung nicht wieder eingestellt, weshalb er von 1932-1939 arbeitslos war. Eine jüdische Firma habe ihn ebenfalls abgelehnt, da seine Ehefrau Nichtjüdin war. Bis zu den Nürnberger Rassegesetzen 1935 konnte sich der Steinbacher noch als Feuerwehrmann in seiner Heimatstadt engagieren, bis ihm auch dies verboten wurde.

Auf der Familie lastete seit den Nürnberger Rassegesetzen ein enormer Druck. Die nichtjüdischen Ehepartner wurden massiv unter Druck gesetzt, sich scheiden zu lassen. Von den Deportationen in die Vernichtungslager 1941/42 blieben die jüdischen „Mischehepartner“ zunächst ausgenommen. 1943 wurden im Gau Frankfurt jedoch im Rahmen einer gezielten Kriminalisierungswelle im April/Mai 1943 den jüdischen „Mischehepartnern“ Verfehlungen unterstellt, die den Behörden den formalen Anlass für die Verhaftungen gaben und den Betroffenen sowie den Angehörigen zudem noch das Gefühl vermittelten, ein möglicher eigener Fehler sei Anlass der Verhaftung gewesen.

Im April 1943 wurde Josef Schwarzschild zur Gestapo geladen und verhaftet. Vorgeworfen wurde ihm, er habe den gelben Stern, mit dem die jüdische Bevölkerung ab dem 1. September 1941 gekennzeichnet wurde, nicht ordnungsgemäß getragen. In Wirklichkeit wurde Josef Schwarzschild Opfer einer gezielten Verhaftungswelle. Am 20.4.1943 wurde er zunächst in das Gefängnis in Offenbach gebracht, dann nach Darmstadt und später in das „Arbeitserziehungslager“ Frankfurt-Heddernheim. Von dort aus wurde er am 03.09.1943 nach Auschwitz deportiert, wo er zu Tode kam.

Dazu seine Ehefrau:
An „Hitlers Geburtstag wurde er zur Geheimen Staatspolizei Darmstadt geladen und ist von dort aus nicht mehr zurückgekehrt. Am 15. Jan. 1944 erhielt ich die Nachricht, dass mein Mann am 10.12.43 infolge von Herzmuskelschwäche verstorben sei. … Das ist er auf keinen Fall, sondern er wurde durch Mörderhand umgebracht.“