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Auftakt-Veranstaltung zur Errichtung eines Kindertransport-Denkmals in Frankfurt: Bericht unter News

Auftakt-Veranstaltung zur Errichtung eines Kindertransport-Denkmals in Frankfurt

Der Verein Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt e.V. lud am 20. März 2017 zusammen mit B’nai B’rith Frankfurt Schönstädt Loge e.V. zu einer Auftakt-Veranstaltung im Metropolitan-Hotel Frankfurt ein: Ziel war, im Rahmen einer Kindertransport-Informationswoche des Projektes für die Errichtung eines Kindertransport-Denkmals in Frankfurt zu werben.

Durch seine Arbeit mit Zeitzeugen, oft Gäste des jährlichen Besuchsprogramms der Stadt Frankfurt, kam der Verein auch in Kontakt mit Kindertransport-Kindern, die immer dringlicher darum baten, auch in ihrer Heimatstadt Frankfurt einen Erinnerungsort für die Kindertransport-Kinder und ihre Familien zu schaffen.

Lee Edwards, geb. Liesel Carlebach, eine der beiden eingeladenen Zeitzeugen:
„Es wäre doch sehr schön, wenn in meiner Heimatstadt ein Denkmal sein würde für die Kindertransport-Kinder… Ich persönlich wäre nicht am Leben ohne den Kindertransport…
Und ich möchte bitten, dass Sie sich eilen sollen, denn ich bin 93 Jahre alt… Ich danke Ihnen im Voraus.“

Lee Edwards lebt heute in Kalifornien/USA; der zweite Zeitzeuge, Oswald Stein, lebt heute in Königstein. Beide wurden 1939 über Kindertransporte nach England/UK gerettet (siehe Biografien von Frau Edwards und Herrn Stein sowie anderen Kindertransport-Kindern).

Nach dem Novemberpogrom 1938 wollten Eltern wenigstens ihre Kinder vor den Nazis retten – wenn es schon nicht mehr möglich war, für die gesamte Familie ein Fluchtland zu finden.
Nach langen Diskussionen und Verhandlungen war England schließlich bereit, ca. 10.000 Kinder bis max. 17 Jahren ins Land zu lassen; insgesamt konnten ca. 20.000 Kinder ins rettende Ausland gebracht werden.

Von Frankfurt aus gingen nicht nur Frankfurter Kinder auf die viel zu wenigen Kindertransporte – letztlich blieb bis zum Beginn des II. Weltkrieges am 1. Sept.1939 nur ein knappes Jahr. Auch aus dem Umland wurden Kinder nach Frankfurt in verschiedene Heime geschickt – um einen der begehrten Plätze zu bekommen. In vielen Familien musste schweren Herzens entschieden werden, wer reisen konnte und wer zurück bleiben musste. Das Denkmal soll auch für diese Familien und Kinder stehen, die Deutschland nicht mehr verlassen konnten, die nicht mehr gerettet werden konnten.

Angelika Rieber, 1. Vorsitzende des Vereins betont, dass es „wichtig ist, einen Ort zu finden, der in Beziehung zum Hauptbahnhof steht… Viele Kinder sahen hier ihre Eltern zum letzten Mal.“

Till Lieberz-Groß, 2. Vorsitzende: „Die Nazis haben den Kindern nicht nur ihre Kindheit gestohlen sondern in den meisten Fällen auch ihre Familien. Ihre eigene Rettung war verbunden mit einem endgültigen Abschied von ihrer Familie. Unterstützendes Verständnis für die traumatisierten Kinder oder gar eine Aufarbeitung ihres Verlustes waren selten. Es gab es keinen Ort für ihre Trauer, keinen Ort des Gedenkens.“

Der Verein Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt e.V. möchte diesen Kindern und ihren Familien einen Ort des Gedenkens ermöglichen – einen Ort der Besinnung, der Anstoß und Kristallisationspunkt sein kann für ein nachhaltiges Gedenken mit Zeitzeugengesprächen – auch mit der 2. Generation – in Schulen, der Lehrerbildung, in der Erwachsenenarbeit.

In Gesprächen mit Repräsentanten der Stadtregierung wie dem Planungsdezernenten, Mike Josef, wurde die Initiative des Projektes positiv aufgegriffen und der Vorsitzende des Ortsbeirates 1, Dr. Oliver Strank, konnte bereits die Nachricht überbringen, dass der einstimmige Beschluss des Ortsbeirates beim Magistrat in einer entsprechenden Stellungnahme vom 13. März 2017 bestätigt wurde:
Der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main befürwortet die Idee eines Denkmals sowie den Standort in Nähe des Hauptbahnhofs ausdrücklich und prüft derzeit den Vorschlag, im Bereich des Ortsbezirks 1, vorzugsweise in Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs, ein Denkmal “Kindertransporte” zu errichten, oder sollte dies dort aus baulichen Gründen aufgrund der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes in absehbarer Zeit nicht möglich sein, zumindest in Sichtachse des Frankfurter Hauptbahnhofs. Mit dem Verein Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt am Main. Spurensuche – Begegnung – Erinnerung e. V., der die Projektidee bereits vor einigen Jahren initiiert hat und dazu informiert, steht der Magistrat bereits im engen Austausch.“

Stefan Majer, Dezernent für Personal und Gesundheit, unterstreicht bei der Auftakt-Veranstaltung diese „klaren, unterstützenden Signale“. Er sieht den Verein in der langen Frankfurter Tradition des Engagements der Bürger und Bürgerinnen der Stadt und dessen Website gar als „Steven Spielberg auf Frankfurterisch“. Herr Majer bedankt sich im Namen des Magistrat beim Verein dafür, dass er sich in die „ Erinnerungskultur, die Frankfurt auszeichnet“ einreiht und dass er „an die einzelnen Menschen erinnert“ und nicht nur an historische Fakten und die Menschen somit „ein Gesicht, eine Geschichte“ bekommen. Herr Majer bekräftigt, dass der Magistrat die Einrichtung „eines Gedenkortes unterstützt“ und die „Stadt Frankfurt mit allen daran beteiligten Dezernaten“ mitarbeiten will, dass „wir einen guten Weg finden.“

Hartmut Schwarz, Leiter des Bahnhofsmanagements in Frankfurt, weist auf die Multikulturalität des Hauptbahnhofes hin und die damit verbundene Notwendigkeit, seiner internationale Kundschaft Generationen unabhängig deutsche Geschichte „begreifbar“ zu machen. Und er versichert mit Blick auf das geplante Denkmal für die Deutsche Bahn, „alles zu tun, um gemeinsam eine Lösung zu finden… mit der Stadt und den Bürgern der Stadt.“

Ralph Hofmann, Präsident von B’nai B’rith Frankfurt Schönstädt Loge e.V. bekräftigt als einer der ersten Unterstützer noch einmal die Bedeutung der Initiative des Vereins Projekt Jüdisches Leben in Frankfurt e.V. und verweist auch auf die Rolle von B’nai B’rith bei der Rettung von Kindertransport-Kindern, u.a. auch bei der Zeitzeugin Lee Edwards.

Nina Blodinger, Seniorchefin von Fleming’s Hotels und Restaurants und Gastgeberin der Auftakt-Veranstaltung, begrüßt die Initiative für das Kindertransport-Denkmal ausdrücklich auch mit dem Verweis auf ihre eigene Geschichte als Tochter von Holocaust-Überlebenden.

Der Verein bedankt sich bei der Hoteliersfamilie Blodinger und der Familie Wilder vom Reisebüro Select sehr herzlich für das großzügige Sponsoring der Flugreise und der Hotelunterbringung.

In den Tagen nach der Auftakt-Veranstaltung waren die Zeitzeugen, Frau Edwards und Herr Stein, eingeladen zu sehr lebendigen und konstruktiven Gesprächen mit Schülern und Schülerinnen im Heinrich-von-Gagern-Gymnasium und der Ernst-Reuter-Schule II sowie im Studienseminar für Lehrer und Lehrerinnen in der zweiten Ausbildungsphase (LiV).
Der Verein will diese Zeitzeugenarbeit unbedingt fortsetzen.
Für den von der Kindertransport Association (KTA) ausgerufenen globalen Kindertransport-Gedenktag am 1. Dezember plant der Verein bereits eine weitere Veranstaltung.

Autorin: Till Lieberz-Groß

Presseerklärung

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