KURZBIOGRAPHIE

Carola Domar, geborene Rosenthal
(1919 – 2004)

Besuchsprogramm 1992

Wohnadresse der Familie:
Oeder Weg 156

Besuchte Schulen/Bildungseinrichtungen:
Holzhausenschule, Elisabethenschule, Philanthropin (1934/35), Groß-Breesen

Jugendgruppe:
Schwarzes Fähnlein

Auswanderung:
1939 nach Großbritannien, 1940 in die USA

Eltern:
Siegfried Rosenthal
(1879-1967)
Rechtsanwalt
Betti Warschauer
(1892-1969)
1939: Flucht nach Frankreich,
1940 Flucht in die USA

Geschwister:
Gerda Rouyez-Reussner
(1914-1992)
1933 nach Frankreich

Arnold Rosenthal
(1918-1942)
1933 über Frankreich nach Italien


Quellen:

 

  • Interviews mit Carola Rosenthal 1992 in Frankfurt am Main
  • Hessisches Landesarchiv
  • G. Kößler / A. Rieber/ F. Gürsching: … dass wir nicht erwünscht waren. Novemberpogrom 1938 in Frankfurt am Main, 1993, 82-91
  • Doris und Walter Ebertz: Die jüdischen Familien in Wetzlar. Ein Gedenkbuch, 2010
  • Angelika Rieber u.a. (Hg.): Rettet wenigstens die Kinder. Kindertransporte aus Frankfurt am Main – Lebenswege von geretteten Kindern, 2018, 162-175

 

  • Gespräche und Korrespondenz mit Carola Domar, Manfred Rosenthal und Alice Domar
  • Oral History Project Exile and Community: Link

Text und Recherchen:
Angelika Rieber

Erschienen: Mai 2026

Carola Domar, geb. Rosenthal

„Rette sich, wer kann“

von Angelika Rieber

Carola Rosenthal wurde 1919 als jüngste von drei Geschwistern geboren. Ihr Vater, Siegfried Rosenthal, war Rechtsanwalt und besaß eine Praxis in der Goethestraße, in der er noch bis zum Novemberpogrom 1938 tätig war. Die Familie wohnte im Oeder Weg. Carola Rosenthal besuchte die Holzhausen-, später die Elisabethenschule, die sie 1934 verlassen musste. Danach besuchte sie ein Jahr lang das Philanthropin, die liberale jüdische Schule in Frankfurt am Main.

Die Eltern bemühten sich, ihre Tochter ins Ausland zu bringen. Die ältere Schwester Gerda lebte bereits in Paris, der Bruder in einem Internat in Italien. Nach kurzen Aufenthalten in Frankreich kehrte Carola Rosenthal wieder nach Deutschland zurück. Gegen den Willen der Eltern ging sie 1937 nach Groß-Breesen, einem nichtzionistischen Lehrgut, das auf die Auswanderung vorbereitete.

Kurz vor dem Novemberpogrom fuhr sie zu einer Familienfeier nach Frankfurt, wo sie die Verhaftung ihres Vaters erleben musste, der in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt wurde. Dort war er einen Monat lang inhaftiert. Im März 1939 emigrierte Carola Rosenthal nach England und von dort 1940 nach Amerika. Ihr Vater Siegfried Rosenthal flüchte einen Monat später nach Frankreich, wo er nach Kriegsbeginn als Deutscher interniert wurde. Die Mutter konnte zwei Tage vor Kriegsbeginn noch Deutschland verlassen, musste jedoch nach der Eroberung von Paris durch die deutsche Armee erneut flüchten. Den Eltern gelang es, nach Amerika zu kommen. Carolas Schwester Gerda überlebte in Frankreich, ihr Bruder Arnold kam in Italien ums Leben.

Link zu dem Artikel über Carola Domar in: …daß wir nicht erwünscht waren. Novemberpogrom 1938 in Frankfurt am Main. Berichte und Dokumente, Hrsg.: Gottfried Kößler, Angelika Rieber, Feli Gürsching, Frankfurt 1993, S. 82-91.