Seit 1882 lebte die Familie Rosenthal in Wetzlar. Dort wurde Milan Rosenthal 1887 geboren. Nach dem Ersten Weltkrieg zog Rosenthal nach Frankfurt und wurde dort Mitinhaber einer Holzhandlung in der Hanauer Landstraße. 1923 heiratete er die Frankfurterin Erna Lövinger. 1924 wurde der Sohn Herbert geboren, 1926 der Sohn Manfred. Die Familie lebte in der Eschersheimer Landstraße in Frankfurt. Die beiden Jungen besuchten die nahe gelegene Holzhausenschule, später das Philanthropin, die liberale jüdische Schule in der Hebelstraße.
Nach dem Novemberpogrom 1938 entschlossen sich Milan und Erna Rosenthal, zunächst ihre Söhne in Sicherheit zu bringen. Der jüngere Sohn Manfred wurde zu Bekannten nach Frankreich geschickt, sein Bruder Herbert im Februar 1939 mit einem Kindertransport nach England. Dort wurde Herbert 1940 interniert und mit dem Schiff Dunera nach Australien gebracht. Manfred, der inzwischen in einem Kinderheim bei Paris lebte, floh mit den anderen Kindern nach Südfrankreich. Von dort gelang es ihm im Juni 1941 in die USA zu kommen.
Die Eltern konnten im März 1941 aus Deutschland in die USA fliehen. Ihr älterer Sohn Herbert, den sie nachholen wollten, wurde Opfer eines Torpedoangriff und starb im Oktober 1942. Milans Brüder Siegfried und Jakob Rosenthal konnten in die USA und nach Brasilien entkommen, während der Bruder Nathan 1941 nach Kaunas/Kowno deportiert und ermordet wurde.
Manfred Rosenthal und seine Frau Erica, ebenfalls Kindertransportkind, besuchten 2003 auf Einladung der Stadt Frankfurt am Main ihre frühere Heimat. Beide engagierten sich in den USA für die Erinnerung an den Holocaust und an die Rettung jüdischer Kinder.
Link zu dem Artikel über Manfred und Herbert Rosenthal in: „Ihr müsst die Kinder aus Deutschland holen“. Manfred und Herbert Rosenthal, in: Angelika Rieber und Till Lieberz-Gross (Hg.), Rettet wenigstens die Kinder. Kindertransporte aus Frankfurt am Main – Lebenswege geretteter Kinder, 2018, S. 162-175.
Siehe auch Link zu dem Artikel über Carola Domar, geborene Rosenthal